Zwergsterne-Unsere Sonne
In einem Bereich von 0,08 bis hin zu 8 Sonnenmassen, entsprechend den Spektralklassen G8 und B3 (die Sonne hat die Spektralklasse G 2) im Hertzsprung- Russel Diagramm erstrecken sich die Zwergsterne, zu denen auch die Sonne gehört. Weil sie der uns nächstgelegene Stern ist, soll stellvertretend an ihrem Beispiel die Klasse der Zwergsterne beschrieben werden.
Noch ein paar Zahlen lassen uns staunen: Damit wir uns an einem Sommertag in der Sonne aalen können, muß sie gigantische Materiemengen umsetzen. In jeder Sekunde (!) setzt sie 564 Millionen Tonnen Wasserstoff in Helium um. Das kann nur in ihrem Zentrum durch Kernfusion geschehen, hier herrschen 15 Millionen K bei einem Druck von 220 Millionen bar. Unter diesen Bedingungen werden in jeder Sekunde 4 Millionen Tonnen Materie in reine Energie umgewandelt, und das bereits seit etwa 4,5 Milliarden Jahren. Doch keine Angst, der Brennstoffvorrat der Sonne reicht noch einmal so lang. Die Erde empfängt nur einen Bruchteil der Sonnenenergie, das sind aber immerhin 750 Billionen Kilowattstunden pro Jahr. Der gesamte Energieverbrauch der Menschheit beträgt nur etwa den 8000sten Teil dieses Betrages.
Von
entscheidender Bedeutung für viele Erscheinungen auf der Sonne
ist ihre differentielle Rotation.
In
nebenstehender Grafik sind die unterschiedlichen Rotationsgeschwindigkeiten
dargestellt. Deutlich ist zu erkennen, daß die Äquatorzone
viel schneller rotiert als die Polregionen. Eine exakte Erklärung
für die unterschiedlichen Geschwindigkeiten gibt es noch nicht,
man vermutet aber die Ursache in der Konvektionszone. Hier wird
nicht nur Energie weitertransportiert, sondern auch Drehimpuls.
Dieser wird wohl so aufgeteilt, daß die äquatorialen
Zonen beschleunigt werden, was auf Kosten der Polgebiete geschieht.
Die Sonne rotiert in gleicher Richtung wie die Erde und ihrem Umlauf
um die Sonne.
Von den äußersten Schichten bis ins Zentrum ist die Sonne ein reiner Gasball. Folgende kleine Tabelle gibt eine Übersicht über den Aufbau von innen nach außen:
| Bezeichnung | Vorgänge | Abstand vom Zentrum in 1000 km | Temperatur |
| Kernzone | Kernfusionen Wasserstoff-Helium | 0 - 28 | 14.600 000 K |
| . | Energietransport durch Strahlung | 70 | 12.600 000 K |
| . | . | 210 | 6.600 000 K |
| . | . | 560 | 1.300 000 K |
| . | Energietransport durch Konvektion | 680 | 100 000 K |
| Photosphäre | sichtbare Strahlung | 400 km dick | 9000 K |
| Sonnenrand | . | 696 | 4300 K |
| Chromoshpäre | . | 698 | 5000 K |
| . | . | 704 | 300 000 K |
| Korona | leuchtende Hülle | 716- 2780 | 1 000 000 K |
Bei den Temperaturen, die an der Sonnenoberfläche und erst recht in ihrem Innern herrschen, kann jegliche Materie nur in gasförmigem Zustand existieren. Je tiefer man in sie eindringt, um so weniger sind die Atome imstande, die sie sonst umgebenden Elektronen zu binden, sie sind immer weiter ionisiert. Ein solches Gas, aus dem die Sonne und (fast) alle anderen Sterne bestehen, nennt man Plasma.
Ein
Schnitt durch unsere Sonne. Man erkennt, daß Sterne wie eine
Zwiebel aus mehreren übereinander liegenden Schalen aufgebaut
sind. Im kleinen Zentrum (blau) findet das zentrale Wasserstoffbrennen
statt. Die hier freigesetzte Gammastrahlung wandert langsam durch
die Strahlungszone nach außen. Innerhalb dieser Zone gibt
es keine thermischen Bewegungen (Konvektion) des Sonnengases. Der
weitere Abtransport der Energie erfolgt dann aber durch Konvektion
in der äußeren Schale, die Gammastrahlung ist inzwischen
soweit thermalisiert, daß sie die Sonne als sichtbares Licht
verläßt.
Im Sonneninnern herrscht an jedem Ort ein stabiles, sogenanntes hydrostatisches Gleichgewicht. Ansonsten würde der Gasball in sich zusammenstürzen (Kern) bzw. explodieren (Hülle). Im Innern wird der zur Gravitation notwendige Gegendruck durch die im Kern ablaufenden Fusionen erzeugt. Die hier freigesetzte Strahlung sowie der bei den vorherrschenden Temperaturen von 15 Millionen K enorme Gasdruck üben einen derartigen Druck aus, daß die nach innen gerichtete Gravitation gerade aufgehoben wird.
Das augenscheinlichste Merkmal der Sternatmosphäre ist die Granulation:
Dieses
körnige Aussehen der Sonnenoberfläche wird durch die oben
beschriebene Konvektion verursacht. Jedes dieser Körner (Granula)
hat eine durchschnittliche Ausdehnung von rund 1000 km und stellt
eine Konvektionszelle aufgestiegenen, heißen Gases dar. Gasblasen
steigen in der Konvektionszone mit 300 km/s auf.
Eine einzelne Zelle (Granula) ist nur um etwa 300 K heißer als die Umgebung; sie kühlt sich nach dem Aufsteigen an die Oberfläche ab und ist nach 10 min wieder verschwunden.
Die bekanntesten Erscheinungen auf der Sonne sind sicherlich die Sonnenflecken, welche mit einer Periode von 11 Jahren in der Häufigkeit ihres Auftretens zu- und wieder abnehmen. Die Flecken werden hervorgerufen durch das Magnetfeld der Sonne. Eine Eigenheit eines großen Gasballs wie der Sonne ist ihre differentielle Rotation, das heißt, daß der Sonnenäquator 25 Tage für einen Umlauf benötigt, die Polgebiete aber eine Woche länger dazu brauchen.
Eine
Sonnenfleckengruppe aus dem Juni 2000 Das dunkle, relativ kühle
Zentrum des Fleckens bezeichnet man als Umbra, den umgebenden
Rand als Penumbra.
Mit freundlicher Genehmigung von SOHO/LASCO, SOHO/EIT, und SOHO/CDS
(ESA & NASA)
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Der Beginn des Zyklus. Die noch in der Sonne liegenden Magnetfeldlinien verlaufen gerade und geordnet. |
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In Äquatornähe werden sie nun aber durch die differentielle Rotation immer mehr gedehnt, ja sie werden sogar mehrmals um die ganze Sonne gewickelt. |
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Damit noch nicht genug, werden die Feldlinien durch die Konvektionsströmungen an der Oberfläche ineinander verdreht und verflochten, wodurch sie letztlich instabil werden. Ganze Bündel von Feldlinien brechen dann durch die Oberfläche als magnetische Flußröhren von 500 km Ausdehnung und lassen die Sonnenflecken hervortreten. |
Unsere Sonne klingt, aber nicht wie eine Glocke, die von einem Klöppel angeschlagen wird, sondern eher wie von vielen kleinen Sandkörnern getroffen. Sie verhält sich wie ein widerhallender Hohlraum, der Millionen Schwingungsmodi oder stehende Wellen aufweist. In ihr laufen ständig Schall- oder Druckwellen, welche ein Schwingen der Oberfläche verursachen, ähnlich den seismischen Beben auf der Erde. Durch die inneren Vorgänge erzeugt, fungieren Schichten mit unterschiedlicher Temperatur oder Dichte als Reflexionswände für diese stehenden Wellen (ähnlich dem Funktionsprinzip einer Orgelpfeife).
In zwei Dimensionen sind mehrere Schwingungsmodi möglich. Der Kaffee in der Tasse zeigt uns ziemlich komplexe zweidimensionale Schwingungsmuster, wenn ein vorbeidonnernder LKW den Boden erschüttert. In der Sonne treten Schwingungen in drei Dimensionen auf, sie haben charakteristische räumliche Muster mit Knoten, die sich sowohl auf der Oberfläche der Sonne als auch radial innerhalb des Sonnenkörpers befinden. Helioseismologen, die sich mit solchen Schwingungen beschäftigen, interessieren besonders sogenannte p- Moden, die so heißen, weil sie dem Druck P der Rückstellkraft der bewegten Sonnenoberfläche entgegenwirken. Sie haben eine Frequenz von 3,3 mHz bei Wellenlängen von 2000 bis 50000 km. Man nennt sie auch 5 min- Oszillationen, weil sie mit einer Periode von 5 min 20 s schwingen.

Mit freundlicher Genehmigung der Stanford University, SOHO und
NASA
![]() Mit freundlicher Genehmigung der Stanford University, SOHO und NASA |
Hier ist das Oberflächenmuster eines Modus mit l=19, m=19 dargestellt. 19 Knotenlinien durchqueren den Nordpol und ebensoviele passieren den Äquator. |
![]() Mit freundlicher Genehmigung der Stanford University, SOHO und NASA |
In diesem Bild sieht man einen Modus mit l=19, m=15. Dort gibt es 15 meridionale Kreise von Knoten und 4 Linien in der Ost-West-Richtung. In beiden Bildern ist der Faktor n nicht berücksichtigt, er gibt ja die Anzahl Knoten auf einer Linie vom Zentrum zur Oberfläche wieder und beeinflußt nicht die äußere Erscheinung. |
![]() Mit freundlicher Genehmigung der Stanford University, SOHO und NASA |
Bei einem Schnitt durch die Sonne sehen wir einen Schwingungsmodus mit n=11, l=19, m=15, es ergeben sich 11 Wiederholungen des Musters zwischen Zentrum und Oberfläche. |
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Die Schallwellen laufen nicht auf Geraden aus der Sonne hinaus, sondern bleiben in der Kugelschale gefangen. Die Schallgeschwindigkeit wird zur Mitte hin größer, denn sie nimmt im heißer und dichter werdenden Gas zu. An der Sonnenoberfläche herrscht ein plötzlicher Dichteabfall, so daß an dieser Phasengrenze die Wellen wieder nach innen reflektiert werden. Diese Erscheinung ist vergleichbar auch auf der Erde bekannt, und zwar in Form einer Fata Morgana oder bei der Reflexion von Radiowellen durch die Ionosphäre. Eine Welle kann so die Sonne komplett durchlaufen und an derselben Stelle wieder auftreffen. Hierbei kann sie mit sich selbst in Resonanz kommen und sich dadurch verstärken, sie gewinnt dabei soviel Energie, daß sie die Photosphäre in Bewegung bringt. |
Mit freundlicher Genehmigung der Stanford University, SOHO und NASA
Die Chromosphäre ist eine Schicht über der Sonnenoberfläche, in der einige markante Erscheinungen auftreten. Sehr gut läßt sich die Chromosphäre direkt vor oder nach einer totalen Sonnenfinsternis beobachten, wo sie dann als strahlender, roter Ring um die Mondscheibe sichtbar wird.
Eine
faszinierende Ansicht der Sonne im Licht des ionisierten Wasserstoffs.
Neben der aktiven Oberfläche erkennt man die Chromosphäre
mit einigen Protuberanzen.
Mit freundlicher Genehmigung von SOHO/LASCO, SOHO/EIT, und SOHO/CDS
(ESA & NASA)
Filamente
sind meist gewaltige Bögen kühlen Gases, welche an den
Grenzen unterschiedlicher magnetischer Polaritäten und damit
hoher Feldstärken bis weit in die Korona gedrückt werden.
So ein Bogen kann über 1 Million km lang sein und sich mehr
als 100 000 km in die Höhe erheben. Beachtenswert ist auf dem
Bild auch die unruhige, aktive Sonnenoberfläche.
Mit freundlicher Genehmigung der NASA
Das Magnetfeld unterliegt ja ständigen Veränderungen.
Diese können manchmal dazu führen, daß eine ruhende
Protuberanz förmlich explodiert, der Bogen wird aufgerissen,
und das Plasma fällt auf die Sonne zurück oder entweicht
zum Teil mit dem Sonnenwind. Nebenstehende Sequenz zeigt die zeitliche
Entwicklung eines Flares. Auch konnte man hier zum ersten Mal beobachten,
daß ein derartiger Ausbruch mit seismischen Beben verbunden
sind. Die Wellen sind deutlich zu erkennen. Ein solches Beben hat
die 40 000fache Stärke des Erdbebens, welches San Francisco
1906 vernichtete. Auf der Richter- Skala entspräche das einer
Stärke von 11,3!
Mit freundlicher Genehmigung von SOHO/LASCO, SOHO/EIT, und SOHO/CDS
(ESA & NASA)
Mit bis zu 3 Millionen Stundenkilometern jagt die Sonne Gas von sich fort. Dabei handelt es sich um ein bis zu 1 Million K heißes Plasma, welches vorwiegend aus Elektronen und Protonen besteht. Sehen kann man die Auswirkungen des Sonnenwindes sogar mit bloßem Auge, wenn alle Jahrzehnte einmal ein heller Komet am Himmel erscheint.
Die Sonne bläst immer wieder riesige Gaswolken ins All. Die
ionisierten Materiewolken können das irdische Magnetfeld "verbiegen",
durch sie entstehen die Nordlichter und sie sind imstande Satelliten
und sogar Elektrizitätswerke ausfallen zu lassen.
Einen Ausbruch der mit Geschwindigkeiten von 20 bis zu 2000 km/s
ausgestossenen Gaswolken, die je nach Geschwindigkeit vom Sonnenwind
mitgerissen oder abgebremst werden, kann man in dieser Animation
beobachten:

Mit freundlicher Genehmigung von SOHO/LASCO, SOHO/EIT, und SOHO/CDS
(ESA & NASA)
Besser
als viele Worte zeigt dieses Bild die Wirkung des Sonnenwindes auf
das Erdmagnetfeld. Blau dargestellt ist der van- Allen- Gürtel
um die Erde.
Mit freundlicher Genehmigung von SOHO/LASCO, SOHO/EIT, und SOHO/CDS
(ESA & NASA)
Der Sonnenwind bläst nicht immer mit gleicher Stärke, sondern ist abhängig von der Sonnenaktivität. Die Reaktionen des Sonnenwindes mit unserem Magnetfeld kann man auch mit bloßem Auge sehen, und zwar als Nord- bzw. Südlicht. Durch diese Wechselwirkungen werden in relativer Erdnähe starke elektrische Ströme erzeugt, welche die magnetischen Erdpole umgeben.
Als äußerer Teil der Sonnenatmosphäre ist die Korona naturgemäß auch die dünnste Schicht, aber dennoch sehr aktiv. Während des Fleckenmaximums kann man hin und wieder zwischen zwei Flecken einen Lichtblitz erkennen, der oberhalb der Flecken im Raum "schwebt". Das sind die bereits oben angedeuteten Flares.
Nebenstehendes
Bild zeigt die weit in den Raum ragende KoronaDie gesamte Sonne ist ein Ball aus ionisiertem Gas und durch ihre Rotation wird wie bei einem riesigen Dynamo das Magnetfeld erzeugt. Sind die Magnetfeldlinien zu Zyklusbeginn noch geordnet und liegen unter der Oberfläche, werden sie nun mehr und mehr verbogen und miteinander "verwuselt" und verknotet, treten aus der Sonne aus und reichen letztendlich bis in die Korona.
In
einem gewaltigen Bogen spannt sich eine Protuberanz um einen beträchtlichen
Teil des Sonnenumfangs.
Mit freundlicher Genehmigung der NASA
Zwar wissen wir auch über diese Erscheinung nur sehr wenig, doch sind diese riesigen Bögen aus kühlem Gas, welches in der Korona quasi "ausfriert" schon sehr beeindruckend. Manche Protuberanz kann wochenlang im Raum stehen, eine andere läßt ihr Material wieder auf die Oberfläche hinabfallen. Es gibt auch Protuberanzen, die sich explosionsartig in den Raum ausbreiten und in einer Druckwelle die Korona vor sich herschieben.