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Entstehung und Entwicklung der Sterne
Entstehung von Sternen
Kühlung!
Fragmentation
Protosterne
Sternentwicklung
Zustandsgleichung und Entartung
Weitere Entwicklung
Entstehung von Sternen
Im gesamten
Universum gibt es nichts, was in alle Ewigkeit unveränderlich Bestand hat. Auch
die Sterne, deren Anblick seit Jahrtausenden die Menschen erfreut und
beschäftigt, unterliegen einem ständigen Wandel. Ein Menschenleben ist
allerdings viel zu kurz, um Veränderungen an diesen riesigen Gasbällen
wahrzunehmen. Dazu wären Zeiträume von Millionen oder Milliarden Jahren
erforderlich. Dennoch tickt die innere Uhr eines Sterns, die Kernfusion in
seinem Innern, unaufhaltsam weiter. Je nachdem, wie viel an Kernbrennstoff im
Stern enthalten ist, verbraucht sich dieser Vorrat unterschiedlich schnell.
Überriesen, die stellaren
"Schwergewichte" mit bis zu mehr als 100facher Sonnenmasse, weisen
zwar einen gigantischen Brennstoffvorrat auf, doch sie gehen damit
so verschwenderisch um, dass ihre Lebenserwartung nur wenige Millionen
Jahre beträgt. Zwerge hingegen mit weniger als 0,8 Sonnenmassen
sind kaum in ihrer Entwicklung vorangeschritten, so dass alle, die
je entstanden sind, noch heute existieren und einer weiteren Lebensspanne
von vielen Milliarden Jahren entgegensehen. Um sich eine Vorstellung
von den unterschiedlichen Ausdehnungen der Sterne machen zu können,
hier eine kleine Grafik zur Verdeutlichung. Weiße Zwerge oder gar Neutronensterne
können wegen ihrer geringen Größe in diesem Maßstab
nicht mehr sinnvoll wiedergegeben werden. Man bedenke, dass der
"Zwerg" Sonne hier bereits einen Durchmesser von rund 1,5 Millionen
km repräsentiert.
Doch zunächst wollen wir sehen,
wie überhaupt ein Stern entsteht.
Sterne entstehen in Gebieten innerhalb einer Galaxie,
in denen sich Interstellare Materie in riesigen Wolken
angesammelt hat. In der Hauptsache findet man solche Orte in den
Spiralarmen. Ein entscheidendes Kriterium für den Kollaps einer
Materiewolke zu einem Stern ist ein effektiver Kühlungsmechanismus.
Das mag auf den ersten Blick erstaunlich klingen, ist aber einleuchtend.
Durch eine schnelle Wärmebewegung der Moleküle entsteht
gleichzeitig auch ein hoher Druck, der einer Kontraktion entgegen
wirken kann. Diese Zusammenhänge erkannte schon der englische
Astrophysiker James Jeans (1877
bis 1946). Die Kontraktion einer Wolke mit bestimmter Masse ist
abhängig von der Temperatur T und dem in der Wolke herrschenden Druck p:
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Hierin bedeuten rG = Grenzradius und mG = Grenzmasse einer Wolke. Nach diesem
Jeansschen Kriterium kollabiert eine Wolke nur
bei Überschreitung entweder des Grenzradius oder der kritischen Masse. Die
Grenzmasse ist umso größer, je höher die Temperatur und je niedriger die
Wolkendichte ist.
Kühlung!
Eine Wolke
sollte also relativ kühl und dicht sein, damit sie kollabieren, sich bis zur
Entstehung eines Sterns komprimieren kann. H
II- Gebiete, in denen der Wasserstoff bei Temperaturen von 10 000 K
ionisiert ist, sind daher denkbar schlecht geeignet für die Sternentstehung.
Besser geeignet sind die 10 bis 20 K kalten, dunklen H
I- Gebiete, in denen der Wasserstoff molekular vorliegt und die zudem
Staubteilchen enthalten. Diese Riesenmolekülwolken (giant molecular clouds,
GMC's) können Ausdehnungen von mehr als
100 bis 300 Lichtjahren haben und leicht eine Masse von 10 000 Sonnenmassen oder
mehr erreichen. Ihre Dichte liegt bei etwa 100 bis 1 Million Teilchen pro
Kubikzentimeter. Auch bei diesen relativ niedrigen Temperaturen weisen die
Wasserstoffmoleküle noch eine Wärmebewegung auf, die bei einer Verdichtung der
Wolke durch die ansteigende Temperatur immer heftiger wird. Hierbei können sie
mit den Staubteilchen oder größeren Molekülen kollidieren. Damit übertragen sie
einen Teil ihrer Bewegungsenergie auf den Stoßpartner, der anschließend die
aufgenommene Energie wiederum als IR- Photon emittiert. Durch diese Strahlungskühlung wird letzten Endes
Gravitationsenergie der kollabierenden Wolke in Wärmeenergie umgewandelt,
wodurch überhaupt die weitere Kontraktion ermöglicht wird (durch eine
einsetzende Kontraktion würden Temperatur und damit der Druck erhöht, ohne
Kühlung käme daher dieser Prozess zum Stillstand). Damit die entstandene Wärme
überhaupt abgestrahlt werden kann, muss die Materiewolke eine entsprechende
Opazität aufweisen. Darunter versteht man die
optische Dichte der Wolke, wie stark sie also "undurchsichtig" für eine
bestimmte Strahlung ist. Vor allem die Staubteilchen sorgen für eine exzellente
Kühlung. In die Wolke eingebettet, sind sie von äußeren (interstellaren)
Strahlungen abgeschirmt, für welche die Wolke sehr opak ist. Damit sind sie
extrem kalt und können recht gut Energie aufnehmen. Diese strahlen sie im
niedrigen Infrarotbereich ab, für den die GMC eine nur geringe optische Dichte
aufweist.
Betrachtet man die
Milchstraße durch ein Teleskop, fallen sofort die dunklen Gebiete auf, die jedes
Licht dahinter liegender Sterne absorbieren. Diese riesigen Dunkelwolken aus Gas
und Staub sind die Geburtsstätten der Sterne.
Mit freundlicher Genehmigung
von John P. Gleason, Steve Mandel
Wie kommt es überhaupt, so müssen
wir uns jetzt zunächst fragen, dass in einer relativ dünnen Wolke aus Gas und
Staub Kontraktionen eintreten können? Schließlich treten derartige Erscheinungen
beispielsweise in unserer im Verhältnis viel dichteren Atmosphäre niemals auf.
Nun, es gibt viele verschiedene Gründe für diese Vorgänge. Zunächst kann durch
Abkühlung der Wolke eine gravitative
Instabilität entstehen, weil hierdurch der Gasdruck an einigen Orten
nachlässt. Es ist auch möglich, dass sich Atome zu
Molekülen zusammenlagern, ein häufiger Vorgang im Universum bei
entsprechenden Bedingungen. Hierdurch wird die Anzahl der Teilchen je
Volumeneinheit mindestens halbiert oder gedrittelt, wodurch sich wiederum eine
Druckabnahme einstellt. Zudem kann aufgrund von Turbulenzen in der Wolke der
Druck durch Reibung reduziert werden. In einer
GMC ist häufig auch ein Magnetfeld anzutreffen, welches eine Kontraktion der
Wolke unterdrückt. Es kann aber im Laufe der Zeit nach außen driften, so dass
der magnetische Druck sukzessive abgebaut
wird.
Fragmentation
Zu Beginn der
Kontraktion ist die bei den Stößen der Teilchen übertragene Energie nur gering,
dementsprechend langwellig ist die emittierte Strahlung. Die optische Dichte der
interstellaren Wolken ist für solche Strahlung sehr gering, so dass die Kühlung
zunächst recht effektiv ist. Je weiter aber die Kontraktion voranschreitet, umso
größer wird die Opazität, wodurch die Temperatur und der Druck ansteigen. Das
kann u.U. so weit führen, dass sich ein Gleichgewicht zwischen Gravitation und
Druck einstellt - die Kontraktion kommt zum Stillstand. Rotiert die Wolke, kann
das sogar noch viel früher eintreten. Nach der Drehimpulserhaltung erhöht sich
die Rotationsgeschwindigkeit des Kontraktionszentrums, und durch die vergrößerte
Zentrifugalkraft stellt sich zwischen ihr und der Gravitation ein
Gleichgewichtszustand ein - die Kontraktion stoppt abermals (falls nicht durch
einen anderen Mechanismus Drehimpuls weiter nach außen transportiert
wird).
Die Gebiete der
Sternentstehung sind also die großen, kalten Molekülwolken. Weil die gesamte
Milchstrasse rotiert, ist eine solche Wolke von Natur aus auch mit einem
gewissen Drehimpuls ausgestattet. Letztendlich führt dieser Drehimpuls zur
Rotation des späteren Sterns. Nun darf man nicht glauben, dass die gesamte Wolke
zu einem einzigen Stern kollabiert! Durch die Kontraktion steigt die Dichte der
Wolke, die Temperatur erhöht sich zunächst nicht wesentlich durch die
Kühlprozesse. Weil die Jeansmasse aber von Temperatur und Dichte abhängig ist,
wird sie immer weiter herabgesetzt. Inhomogenitäten verstärken sich, immer
kleinere Teilbereiche werden instabil und die Wolke zerfällt in mehrere
Teilwolken, sie fragmentiert.
Durch diese Fragmentation entstehen häufig gleichzeitig mehrere
Sterne, in der Größenordnung von etwa 10 bis 100 Objekten. Die kleine Grafik
zeigt das Prinzip der Fragmentation. Wenn die Wolke rotiert, können sich auch
scheibenartige Materieansammlungen ausbilden, die ihrerseits wiederum in mehrere
Fragmente zerfallen und so die Entstehung der häufig beobachteten Doppel- oder
Mehrfachsternsysteme auslösen.
In der Kleinen Magellanschen Wolke hat das Hubble
Weltraumteleskop (HST) eine Kinderstube junger Sterne aufgestöbert. Dieser
Gasnebel, N 81 genannt, liegt in einer Entfernung von 200 000 Lichtjahren. In
einem Gebiet von nur 10 Lichtjahren Durchmesser hat man über 50 massereiche
Sterne ermittelt, von denen jeder mit 300 000facher Sonnenleuchtkraft erstrahlt.
Diese ultraheißen Sterne emittieren vor allem UV- Strahlung, welche die sie noch
umgebenden Gas- und Staubmassen ihrer Geburtsstätte anregt und lassen dadurch
den ganzen Nebel erstrahlen.
Mit freundlicher Genehmigung von STScI, Mohammad Heydari-Malayeri
(Paris Observatory, Frankreich), und NASA/ESA
Sternentstehung wird manchmal auch durch
äußere Einflüsse angeregt. Explodiert beispielsweise
in der Nähe einer Molekülwolke eine Supernova, so werden die von ihr abgestoßenen
Gasmassen mit hoher Wucht auf die Wolke treffen und dort Verdichtungen
hervorrufen. Induziert von diesem Ereignis können massereiche
Sterne entstehen, die ihrerseits nach relativ kurzer Zeit (10 bis
20 Millionen Jahre) ebenfalls als Supernovae in oder nicht weit
von der Wolke entfernt explodieren und in einer Art Kettenreaktion
weitere Sternentstehung initiieren.
Wir sehen
ein weiteres Sternentstehungsgebiet im Sternbild Schwan, genannt
DR 21. Die Aufnahme wurde erhalten vom Infrarotobservatorium Spitzer der NASA. Sichtbares Licht wird hier um den Faktor
1039 abgeschwächt, wir könnten normalerweise
also praktisch nichts erkennen. DR 21 liegt in der oberen Bildmitte
und ist ein regelrechtes Nest neugeborener Riesensterne in 10 000
Lichtjahren Entfernung. Der hellste Stern hat die 100 000fache Leuchtkraft
der Sonne. Versäumen Sie nicht, das Bild in der Originalgröße anzusehen, es ist ein fantastischer
Anblick (allerdings auch ca. 5,9 MB groß)!
Eine berechtigte Frage stellt
sich uns, wenn wir jetzt an die erste Sterngeneration denken. 100 bis 250
Millionen Jahre nach dem Urknall haben sich diese Sterne der Population III gebildet (Population I sind junge,
metallreiche Sterne, metallarme alte gehören der Population II an), allerdings
gab es noch keinen Staub für den Kühlungsmechanismus. Supernovae konnten auch
nicht Auslöser von Kontraktionen der nur aus Wasserstoff und Helium bestehenden
Gaswolken sein, es gab ja noch keine Sterne. Wie also war überhaupt die
Sternentstehung möglich? Aus Untersuchungen der kosmischen
Hintergrundstrahlung wissen wir, dass es damals Dichteschwankungen gab, man
könnte sie als Klumpen in der Ursuppe bezeichnen. Sie entwickelten sich langsam
zu einem Netzwerk aus filamentartigen Strukturen, in deren knotenartigen
Verdichtungen sich erste kleine Protogalaxien entwickeln. Diese lagern sich dann
zu Galaxien zusammen. Das Netzwerk aus Filamenten erkennt man noch heute wenn
man betrachtet, wie die Galaxienhaufen im Universum verteilt sind. Auch in den
Protogalaxien, die vielleicht 100 000 bis 1 Million Sonnenmassen besaßen,
bestanden kleinere Filament- Netzwerke. Die Knoten zogen sich dann gravitativ
zusammen. Hierdurch wurden die primordialen Gasklumpen auf über 1000 K erhitzt,
wie aber konnte nun Kühlung einsetzen? Der Wasserstoff war seinerzeit atomar,
jedoch lagerten sich hin und wieder Atome zu molekularem Wasserstoff zusammen.
Diese Moleküle konnten dann nach Kollision mit Wasserstoffatomen langwellige
Infrarotstrahlung emittieren und die Wolken so auf vielleicht 200 bis 300 K
abkühlen. Das sagt uns nun, dass die Jeansmasse der Wolken deutlich größer
gewesen sein muss als es bei den heutigen GMC's der Fall ist. Und zwar um den
Faktor 1000! Weil die Jeansmasse in einer GMC bei etwa einer Sonnenmasse liegt,
musste ein Gasklumpen damals also rund 1000 Sonnenmassen aufweisen, um zu einem
Stern zu kontrahieren. Dementsprechend waren die ersten Sterne der Population
III Giganten von mehreren hundert, ja bis zu 1000 Sonnenmassen. Ihre Entwicklung
verlief rasend schnell und sie endeten in Supernovaexplosionen, um so das
interstellare Medium mit Metallen anzureichern, aus denen sich der begehrte
Staub für Kühlungsprozesse zusammenlagert.
Protosterne
Doch zurück
zu einem Ort in unserer Wolke. Sie kontrahiert hier nun weiter und immer mehr
Masse stürzt im freien Fall mit Überschallgeschwindigkeit auf einen zentralen
Ort hinunter. Hier bildet sich ein Protostern
aus, das ist das Vorläuferstadium des eigentlichen Sterns. Zwar hat er bereits
die gleiche homogene chemische Zusammensetzung wie der spätere Stern, die
physikalischen Verhältnisse sind aber völlig anders. Beim Aufprall der
herabstürzenden Massen auf das Kontraktionszentrum bildet sich eine Stoßfront
aus, hier wird jetzt kinetische Energie in thermische umgewandelt. Ab 2000 K
dissoziieren die Wasserstoffmoleküle zu Atomen, wodurch Energie verbraucht wird,
die bis jetzt zur Stabilisierung des Gleichgewichts zu Verfügung stand. Das
Kontraktionszentrum kollabiert daraufhin, wodurch die Temperatur abermals
ansteigt. Sind etwa 10 000 K erreicht, ionisieren die Wasserstoffatome und
es stellt sich ein neues Gleichgewicht ein, die weitere Kontraktion schreitet ab
jetzt nur noch langsam gemäß dem Kelvin- Helmholtz-
Mechanismus voran:
Durch die Ionisation des
Wasserstoffs steigt der Gasdruck, der nun so groß ist, dass die weitere
Kontraktion quasistationär wird, also kaum voranschreitet. Wenn sich Temperatur
und Dichte im Innern jetzt stabilisieren, ist der nach innen gerichtete
Gravitationsdruck fast gleich der Summe aus Gas- und Strahlungsdruck, die nach
außen gerichtet sind. Im Protostern stellt sich ein hydrostatisches Gleichgewicht ein, die Kontraktion
kommt fast zum Stillstand. Ist dieser Punkt erreicht, endet die dynamische
Entwicklungsphase des Protosterns. Auch ist er nun nicht mehr transparent für
Strahlung, weil die Photonen an den Elektronen gestreut werden (Thompson- Streuung, eine elastische Streuung von
Photonen an freien Elektronen).
Sehen wir uns anhand nebenstehender
Kurve die Entwicklung eines Sterns von etwa 2 Sonnenmassen näher an.
Aufgetragen ist die Leuchtkraft (Sonne = 1) gegen die Effektivtemperatur.
Von rechts nach links sehen wir, wie die zentrale Dichte ansteigt und damit
wegen nachlassender Kühlung auch die Temperatur. Die dynamische Entwicklung des
Protosterns, Masseansammlung und Verdichtung, schreitet also weiter voran. Ab
etwa 2000 K setzt dann eine Kühlung ein, weil hier die H2- Moleküle
dissoziieren. Die Kontraktion geht weiter, denn der Druck im Innern ist noch
nicht hoch genug, den Kollaps zu stoppen. Wir sehen, wie vor der so genannten
Hayashi- Linie die Kurve abflacht (1961 vom
japanischen Astronomen C. Hayashi entdeckt, die Linie ist masseabhängig).
Bis zu diesem Punkt ist der Protostern voll konvektiv, d.h. Energie
wird fast allein durch Wärmebewegungen transportiert. Sterne
rechts der Hayashi- Linie sind hydrostatisch nicht stabil. Bei Erreichen
der Hayashi- Linie geht die Entwicklung dann nahezu senkrecht nach
unten, die Temperatur bleibt gleich bei weiter abnehmendem Durchmesser,
auch die Leuchtkraft sinkt. Die Temperatur im Zentrum aber steigt
weiter an. Der Freie Fall der äußeren Schichten auf die
Kernregion endet, die nun das hydrostatische Gleichgewicht erreicht,
d.h. der Stern wird sich weder ausdehnen noch zusammenziehen. Die
Kontraktion des Kerns geht in die langsame Phase auf der Kelvin-
Helmholtz- Zeitskala über, bis der Protostern die Hauptreihe
im HR- Diagramm erreicht. Der junge Stern zündet
in seinem Innern die ersten Kernverschmelzungen und hat damit die
so genannte ZAMS (Zero Age Main Sequence) erreicht, er ist ein
"Null- Alter" Stern auf der Hauptreihe im HRD geworden, die er nun
langsam beginnt hinauf zu wandern. Energie aus dem Zentrum wird
jetzt auch durch Strahlung nach außen geführt.

In dieser Zeichnung sind nochmals die Stufen der Sternentstehung
am Beispiel eines massearmen Sterns angedeutet. Ein Protostern
strahlt vornehmlich Infrarotstrahlung ab, ist damit im sichtbaren
Spektrum des Lichts praktisch nicht nachzuweisen. In einer Übergangsphase
bildet sich ein T Tauri- Stern
(benannt nach dem Stern T im Taurus). Er hat noch keine Kernfusionen
gezündet und weist eine Masse zwischen 1/10 und 3 Sonnenmassen
auf. Bezeichnend ist eine Staubscheibe um T Tauri- Sterne, in der
sich vermutlich Planeten bilden können. Man kann auch
bipolare Materieausflüsse (Jets) nachweisen, die entgegengesetzt
an den Polen eines Magnetfeldes austreten. Wenn diese Jets mit dem
interstellaren Medium in Kontakt treten, bildet sich ein so genanntes
Herbig Haro- Objekt aus. Stößt
ein Jet auf kalte interstellare Materie, wird er abrupt abgebremst
und es entsteht eine Schockwelle. Das kalte Gas wird dadurch erhitzt
und sogar ionisiert, so dass wir ein sternähnliches Gebilde
sehen.
Der Zeitraum vom Beginn der
einsetzenden Kontraktion einer Materiewolke bis zum Zünden der ersten
Kernreaktionen kann bedingt durch die Anfangsdichte differieren. Bei "hohen"
Dichten, z.B. 10-19g/cm3, kann der Vorgang schon nach 300
000 Jahren abgeschlossen sein, bei 100fach dünneren Wolken können aber leicht
3-5 Millionen Jahre bis zu Bildung des Protosterns vergehen. Hier sehen wir
ein Herbig- Haro- Objekt, genannt HH 2 in 1500 Lichtjahren Entfernung im
Sternbild Orion. Der junge Stern, von dem die Jets ausgehen, verbirgt sich in
einer dichten Gas- und Staubwolke. Er ist von einer kalten Materiescheibe
umgeben und weist zudem ein starkes Magnetfeld auf. Diese Komponenten
"produzieren" die Materieströme, die in entgegengesetzter Richtung aus den
Magnetfeldpolen ausströmen. Zu sehen sind nur die beiden Stoßfronten, wo die
beiden Jets auf das interstellare Medium aufprallen. Die Materie wird dabei auf
fast 100 000 K erhitzt Mit freundlicher Genehmigung von Dick
Schwatrz und NASA
Sternentwicklung
Wie in obiger Zeichnung als Stufe 4 angedeutet,
setzen irgendwann die ersten Kernreaktionen ein (siehe auch Energieumwandlung
der Sterne), und zwar wenn die Temperatur im Sternzentrum auf
etwa 5 Millionen K gestiegen ist. Nun wird im Innern Energie freigesetzt
und nach außen abgeführt. Dieser Zündzeitpunkt ist
die eigentliche Geburtsstunde des Sterns, er erstrahlt in hellem
Licht und betritt den Vor- Hauptreihenzustand im Hertzsprung- Russel- Diagramm. Der junge Stern strahlt jetzt
mehr Energie ab, als ihm von außen zugeführt wird. Es
beginnt die erste etwas hektische und unruhige Brennphase. Junge,
massereiche Sterne werden dabei recht heiß, 20 000 K oder
mehr lassen sie überwiegend im energiereichen ultravioletten
Licht strahlen. Sie erhitzen sehr stark die umgebende Interstellare
Materie, wodurch die bisherige Kontraktion der Wolke umgekehrt wird.
Hinzu kommt ein starker Sternwind (überwiegend schnelle Protonen
und Elektronen), welcher die letzten Wolkenreste fortbläst.
Der Stern hat deshalb
keine Chance mehr auf weitere Massezunahme, die bis jetzt angesammelte
Materiemenge entscheidet nun allein über seine Lebensdauer und die Art seines
Untergangs. Wir sehen ein HR- Diagramm für Sterne unterschiedlicher Massen.
Ausgehend vom Einsetzen des Wasserstoffbrennens auf der ZAMS ist die Entwicklung
der Sterne dargestellt bis zum Start des Heliumbrennens (blaue Pfeile). An der
"Alter-Null-Hauptreihe" sind die Massen der Sterne in Sonnenmassen angeben. Die
Zahlen über den einzelnen Kurven geben die Verweildauer (in Jahren) im Zustand
der Wasserstofffusion wieder. Hier sieht man sehr schön, inwieweit die
Sternentwicklung von der angesammelten Masse abhängig ist: je mehr Masse, umso
schneller verbraucht sich der Kernbrennstoff. Der massereiche Stern verschwendet
seine Brennstoffvorräte und leuchtet dafür sehr hell. Ein hohes Alter erreichen
jedoch nur massearme und damit relativ leuchtschwache Sterne. Die Kurve für
Sterne mit 0,5 Sonnenmassen ist extrapoliert.
Sehen wir
uns an, welche Entwicklungsmöglichkeiten einem Stern offen
stehen, je nachdem, wie viel Masse er ansammeln konnte. Bei weniger
als 8% der Sonnenmasse entsteht ein Brauner
Zwerg, der selbst keine Kernfusion zünden kann. Massearme
Sterne mit weniger als etwa 50% der Sonnenmasse verlöschen
einfach irgendwann und zurück bleibt ein kalter Gasball. Sonnenähnliche
Sterne blähen sich bei nachlassendem Energienachschub aus der
Kernregion zu einem Roten Riesen auf, nach Abstoßen der Hülle
zu einem Planetarischen Nebel verbleibt ein Weißer Zwerg. Massereiche Sterne entwickeln
sich recht schnell, am Ende bleibt von ihnen nichts als ein Neutronenstern
oder ein Schwarzes Loch. Das Ende eines jeden Sterns ist
also auf diese Möglichkeiten beschränkt, abhängig
nur von seiner jeweiligen Masse.
Sterne sind nichts anderes als
riesige Blasen aus Gas. Änderungen ihrer chemischen Zusammensetzung und
physikalischen Struktur erfolgen nur in sehr langen Zeiträumen von Millionen
oder Milliarden Jahren. Damit einhergehen auch die äußerlichen Veränderungen wie
Größe, Farbe, Leuchtkraft oder Temperatur. Durch direkte Beobachtung oder
Messung sind diese Vorgänge nicht erfassbar, weil das Sterninnere selbst bei
unserer Sonne nicht zugänglich ist. Nur durch Modellrechnungen, abgeleitet
beispielsweise aus der Beobachtung von Sternhaufen oder Doppelsternen, deren
Mitglieder zum gleichen Zeitpunkt entstanden und durch unterschiedliche Massen
verschieden weit entwickelt sind, kann man auf den inneren Zustand eines Sterns
schließen.
Zu Beginn seiner Existenz weist ein Stern ein schier
unerschöpfliches Reservoir an Brennstoff (überwiegend Wasserstoff) auf, auch hat
er einen großen Vorrat an potentieller (Gravitations-) Energie. Den längsten
Zeitraum verbringt er mit der ruhigen Phase der zentralen Wasserstofffusion.
Hier wandert er langsam den Hauptreihen- Ast im HR- Diagramm hinauf. Bei einem
Stern mit der Masse unserer Sonne dauert dieses Brennen im Kern etwa 10
Milliarden Jahre (die Sonne hat jetzt, nach ca. 4,6 Milliarden Jahren, etwa 35%
ihres Wasserstoffs im Kern verbraucht). Hat der Stern die zehnfache Masse, ist
das Wasserstoffbrennen bereits nach etwa 10 Millionen Jahren beendet.
Ausgesprochene Zwergsterne mit deutlich geringerer Masse als die Sonne benötigen
für diesen Prozess 15, 20 Milliarden Jahre oder noch länger. Daher ist noch kein
einziger Stern dieser Größenordnung seit Entstehung des Universums verloschen!
Je mehr Wasserstoff im Zentrum
verbraucht wird, umso höher wird die Heliumkonzentration ansteigen. Das Helium,
die "Brennasche", bleibt am Ort des Entstehens und kann unter den gegebenen
Bedingungen nicht fusionieren, so dass die zentrale Energiequelle langsam
versiegt. Das Wasserstoffbrennen erfolgt nun in einer Kugelschale um den Kern
herum und reichert ihn so mit weiterem Helium an. Der Gas- und Strahlungsdruck
im Zentralgebiet lässt ohne den Energienachschub immer mehr nach. Der Kern wird
nun langsam durch die einwirkende, nach innen gerichtete Gravitation verdichtet,
wodurch die Temperatur ansteigt. Mit ansteigender Temperatur aber dehnen sich
die äußeren Gebiete des Sterns nun aus. Hat er sich auf einen hundertfachen
Durchmesser aufgebläht, kühlen die äußeren Schichten auf 3000 K ab und er
erscheint in rötlicher Farbe. Durch die vergrößerte Oberfläche bleibt die
Leuchtkraft aber nahezu gleich, er wandert als Roter Riese den Riesenast rechts
im HRD hinauf. Die Kontraktion des Zentrums erfolgt auf der Kelvin- Helmholtz-
Zeitskala und dauert etwa 500 000 Jahre.
Sehen wir uns
nochmals die Entwicklung eines Sterns am Beispiel der Sonne in einem
HR- Diagramm an. Im grauen Kasten oben ist angegeben, wie lange
der Stern sich in der jeweiligen Phase befindet. Die untere Zeit
stellt dar, in welchem Alter die Sonne diese Zustände erreicht.
Derzeit befindet sie sich etwa in der Mitte ihres Wasserstoffbrennens
und damit auf der Hauptreihe. In etwa 4,5 Milliarden Jahren ist
dieser Brennstoff verbraucht, nur noch in einer Schale um den nun
aus Helium bestehenden und kontrahierenden Kern fusioniert Wasserstoff.
Die Hülle dehnt sich zum Roten Riesen aus, im Alter von 12,2
Milliarden Jahren zündet schlagartig das Helium (siehe auch
weiter unten), wenn die Kerntemperatur auf etwa 100 Millionen K
gestiegen ist. Nach dem Heliumbrennen wird die Hülle abgestoßen,
ein Planetarischer Nebel entsteht. Der nun freigelegte
Restkern kann keine Fusionen mehr betreiben, er kontrahiert zu einem
Weißen Zwerg und strahlt nur noch seine
enorme Restwärme in den Raum.
In der Großen Magellanschen Wolke,
auf dem südlichen Firmament, findet man den wegen seiner Form so genannten
Tarantel- Nebel. Auch dieses Gebiet ist gekennzeichnet durch eine hohe
Sternentstehungsrate. In einer Entfernung von 165 000 Lichtjahren zeigt dieses
Gebiet eine Größe von 1000 Lichtjahren. Wäre der Nebel nur so weit entfernt wie
der Orion- Nebel, so hätte er am nächtlichen Himmel eine Größe von 30
Vollmonden.
Mit freundlicher Genehmigung von Gary Bernstein & Megan Novicki (U.
Michigan)
Zustandsgleichung und Entartung
Einen Teil
seiner potentiellen Energie verbraucht der Stern durch die Kontraktion des
Kerns, diese Energie wird zum Teil in Wärme umgesetzt, wodurch die Temperatur
der zentralen Heliumkugel immer weiter ansteigt. Durch die hohe Dichte im
Zentrum ist das Elektronengas dort inzwischen entartet, das Gas im Kern verhält sich deshalb jetzt nicht
mehr wie ein so genanntes ideales
Gas:
Um den Zustand eines Sterns zu beschreiben, müsste
man theoretisch jedes einzelne Teilchen mit seinen unzähligen Wechselwirkungen
betrachten. Weil ein solches Unterfangen völlig unmöglich
ist, reduziert man die Beschreibung des Gases, aus dem ein Stern besteht,
auf den mathematischen Zusammenhang zwischen Druck, Dichte und Temperatur.
Die nachstehende Zustandsgleichung beschreibt die Verhältnisse
eines idealen Gases, wobei der Druck p
dem Produkt aus Dichte r
und Temperatur T proportional ist:
p = rKT/m = nKT
K ist die Boltzmann-
Konstante, K = 1,3805 × 10-23 J K-1, n die Teilchenzahl pro Volumeneinheit und m die Masse des Gasteilchens.
Ein ideales Gas ist ein solches,
bei dem die einzelnen Teilchen so betrachtet werden, als hätten sie keine
Ausdehnung und würden nur durch elastische Stöße miteinander wechselwirken. Ein
reales Gas verhält sich naturgemäß anders, jedoch kommen Wasserstoff und die
leichten Edelgase (z.B. Helium) diesem Zustand am nächsten, insbesondere bei
niedrigem Druck und hoher Temperatur. Im Vergleich zu ihrem mittleren Abstand
haben sie unter solchen Bedingungen eine verschwindend kleine Ausdehnung. Der
Druck eines Gases ist also nicht von der chemischen Beschaffenheit, sondern nur
von der Teilchendichte und der Temperatur abhängig.
Bei recht hohen Dichten und relativ niedriger Temperatur spielen
jedoch immer mehr quantenmechanische Effekte eine Rolle, das Gas
verhält sich immer weniger wie ein ideales Gas, die Zustandsgleichung
wird dadurch komplizierter. Fermionen,
das sind Teilchen mit halbzahligem Spin
(der Spin ist ein unveränderbarer quantenmechanischer Eigendrehimpuls
eines Teilchens), unterliegen dem Pauli- Prinzip. Zu den Fermionen zählen wir die Leptonen ("leichte Teilchen") wie Elektronen,
Myonen oder Neutrinos und die Baryonen
("schwere Teilchen") wie Protonen und Neutronen.
Das Pauli- Prinzip verbietet den
Fermionen sich im gleichen Quantenzustand zu befinden. Wenn wir uns die hohen
Dichten und Temperaturen im Innern der Sterne vergegenwärtigen, fällt es leicht
sich vorzustellen, dass ein Elektron kaum noch Platz für seine Bewegungen hat.
Denken wir uns dazu, dass jedes Elektron in einen "Kasten" gesperrt ist, in dem
es sich bewegen kann. An den Seitenflächen wird es immer wieder einmal mit
benachbarten Elektronen zusammenprallen. Machen wir den Kasten nun viel kleiner,
versucht das Elektron auszuweichen. Es bekommt eine Art "Platzangst" und seine
Bewegungen werden immer hektischer und schneller. In diesem Zustand ist die
Elektronengaskomponente entartet.
Wir können die Entartung allerdings auch etwas
seriöser definieren:
Sie basiert auf der von Werner Heisenberg
(1901-1976) aufgestellten Unschärferelation, nach der man niemals
gleichzeitig exakt den Ort und den Impuls eines Teilchens
bestimmen kann. Ort und Impuls des Teilchens sind also unscharf,
nicht eindeutig zu identifizieren. Multipliziert man nun die Unschärfe
des Ortes mit der Unschärfe des Impulses, erhält man etwa
den Wert des Planckschen Wirkungsquantums h,
einer minimalen Dimension. Erhebt man dieses zur dritten Potenz,
h3, ergibt sich ein Einheitsvolumen,
ein Phasenraum mit 3 echten Raumdimensionen und 3 Impulsdimensionen.
Das ist unser "Kasten" von oben. Wolfgang
Paulis Ausschließungsprinzip besagt nun, dass sich
innerhalb eines solchen Phasenraums nicht zwei identische Teilchen
aufhalten können. Sie müssen sich wenigstens durch ihren
Spin, der bei den Fermionen den Wert +½ oder -½ annehmen kann, unterscheiden.
Im Phasenraum können sich also höchstens zwei Elektronen
aufhalten, und man kann sie nicht dichter zusammenquetschen. Steigt
jedoch die Dichte ungemein hoch an, z.B. auf 1 Million g/cm3
bei einem nur noch aus Helium bestehenden Kern, so füllen die
langsamen Elektronen ihre Phasenräume vollständig aus.
Der Zusammenstoß mit benachbarten Elektronen wird aber immer
häufiger, so dass als Ausweg nach Paulis Prinzip nur noch bleibt,
dass sich die Elektronen durch ihre Geschwindigkeit, ihren Impuls
unterscheiden. Ihre Geschwindigkeit nimmt immer weiter zu und geht
sogar bis in den relativistischen Bereich. Durch ihre schnelle Bewegung
üben die Elektronen einen großen Druck aus, den Entartungsdruck.
Er ist so groß, dass er das Sternzentrum vor weiterer Kontraktion
bewahrt, auch Weiße Zwerge und Neutronensterne
werden durch diesen Druck gegen die einwirkende Gravitation stabilisiert.
Die Entartung lässt sich durch Absenken der Temperatur nicht
zurück nehmen, selbst wenn man das Gas auf fast 0 K abkühlen
würde.
Unterscheiden müssen wir zwischen
nichtrelativistischer und relativistischer Entartung. Bei letzterer ist die
Fermi- Energie (siehe unten) gleich oder größer als die Ruhemasseenergie der
Teilchen. Der Druck des Gases ist nun nicht mehr abhängig von der Temperatur, im
Falle der nichtrelativistischen Entartung ist er proportional r5/3, bei
relativistischer Entartung proportional r4/3. Wenn man also die Dichte eines
nichtrelativistisch entarteten Gases um 1% erhöht, wird der Druck um 5/3 = 1,67%
zunehmen. Man bezeichnet diese Druckzunahme als Kompressionswiderstand des
Gases. Relativistisch entartetes Gas ist also "weicher", hat weniger
Kompressionswiderstand (1,33% bei 1% Dichteerhöhung). Die Grenze zwischen
nichtrelativistischer und relativistischer Entartung liegt bei einer Dichte von
r = 2 × 106 g
cm-3. Der unterschiedliche Grad der Entartung macht die
Zustandsgleichungen wesentlich komplizierter als oben angedeutet, vor allem,
wenn zwischen den beiden Grenzfällen nur teilweise Entartung eintritt. In diesem
Fall ist der Druck auch noch mehr oder weniger stark von der Temperatur
abhängig. Grundsätzlich lässt sich eine Entartung durch eine genügend große
Temperaturerhöhung zurücknehmen.
Im Kern des Sterns sind neben den
Elektronen auch die Atomkerne vorhanden, beide bilden je eine Gaskomponente.
Weil sie viel leichter sind, entarten die Elektronen zuerst. Das entartete
Elektronengas übt dann einen derart hohen Druck aus, dass es praktisch allein
verantwortlich für die mechanische Stabilität des Sterns ist. Die Atomkerne
verbleiben dabei im idealen Gaszustand, der Beitrag des Kerngases zum
Druck ist vernachlässigbar. Entartetes Elektronengas ist ein sehr guter
Wärmeleiter, im Kern herrscht deshalb nahezu die gleiche Temperatur wie in der
wasserstoffbrennenden Schale.
Nun noch einige
Anmerkungen zur erwähnten Fermi- Energie: Wenn wir ein Gas bei einer
Temperatur von 0 K betrachten, können nicht alle Teilchen den Grundzustand einnehmen. Der Grundzustand ist das
niedrigste mögliche Energieniveau, auf dem sich ein Teilchen aufhalten kann. Im
oberen Bild haben wir solche Teilchen bei 0 K dargestellt. Die untere Linie
zeigt den Grundzustand an, den jedes Teilchen anstrebt. Aus energetischer Sicht
(nach dem Pauli- Prinzip) müssen sich die Teilchen aber quasi übereinander
stapeln, bis zu einer bestimmten Grenzenergie (obere rote Linie). Diese Fermi- Energie (benannt wie auch die Fermionen nach dem
ital. Physiker Enrico Fermi, 1901- 1954) ist
das größte Energieniveau, welches ein Teilchen bei 0 K besetzen kann. Unter
"normalen" Bedingungen allerdings, also höheren Temperaturen, werden immer
einige Teilchen Zustände oberhalb der Fermi- Energie einnehmen (mittleres Bild).
Die Fermi- Energie steigt mit der Teilchendichte an, was zu sehr verwunderlichen
Eigenschaften führen kann. Im unteren Bild sehen wir eine Konfiguration, wie sie
z.B. in einem Neutronenstern vorliegt: durch die extrem hohe Teilchendichte in
solchen Objekten ist die Fermi- Energie sehr groß, so dass sich die Teilchen
brav übereinander stapeln wie beim kalten Gas und kaum eines die Grenzenergie
erreicht. So ist es möglich, dass sich der Neutronenstern wie ein gefrorener
Körper verhält, auch wenn seine Temperatur eine Milliarde K beträgt! Die der
Fermi- Energie entsprechende Temperatur wäre hier sogar 100-mal
höher.
Weitere
Entwicklung
Hat sich eine
bestimmte Menge Helium gebildet, etwa 0,45 Sonnenmassen, ist die Temperatur auf
etwa 100 Millionen K angestiegen. Jetzt zündet die bisherige Brennasche
schlagartig als Heliumflash (flash = Blitz). In nur wenigen Sekunden wird eine gewaltige Energiemenge
freigesetzt, welche zunächst aber nicht nach außen abgeführt werden kann,
sondern die Temperatur weiter erhöht. Die erhöhte Temperatur des Kerngases lässt
aber die Fusionen noch schneller ablaufen, wodurch wiederum noch mehr Energie
freigesetzt wird. Kurzfristig, für einige Sekunden, werden im Kern 100
Milliarden (!) Sonnenleuchtkräfte freigesetzt, durch die hohe Temperatur wird
die Entartung nun zurückgenommen und das Gas der Kernregion kann wieder
expandieren.
Durch diese Expansion wird aber
Wärmeenergie verbraucht und die Prozesse im Innern normalisieren sich. Die
Energien des Flashs werden durch die Expansion darüber liegender Schalen
aufgebraucht. Im Kern kann nun eine ruhige Phase des Heliumbrennens ablaufen,
bei unserer Sonne wird diese Phase etwa 30 Millionen Jahre dauern. Ein Stern
zehnfacher Sonnenmasse hat das Helium bereits nach rund 100 000 Jahren
verbrannt. Bedingt durch die hohen Temperaturen im Innern hat sich die Hülle nun
auf fast 140fachen Sonnenradius ausgedehnt. Sie ist deshalb nur noch sehr
schwach gravitativ an den Kern gebunden.
Schematische Darstellung eines sonnenähnlichen Sterns während der Phase
des Heliumbrennens. Dies erfolgt ausschließlich im Zentrum, in einer darüber
befindlichen Schale wird noch Wasserstoff fusioniert, dessen Brennasche (Helium)
den Kern weiter mit neuem Brennstoff versorgt. Angedeutet sind noch die nach
innen gerichtete Eigengravitation und die Strahlungsemission aus der äußeren
Konvektionszone.
Der Kern des Sterns besteht nach dem Ende des Heliumbrennens nur
noch aus Kohlenstoff und Sauerstoff, Helium wird nun nur noch in
einer Schale um den Kern weiter fusioniert. Für die weitere
Existenz des Sterns ist seine bis jetzt verbliebene Masse, vor allem
diejenige der Kernregion, ausschlaggebend. Weitere Kontraktionen
und erneute Kernverschmelzungen sind möglich, wenn das Gas
im Innern sich wie ein ideales Gas verhält. Je geringer die
Masse des Sterns ist, um so mehr muss die Zentralregion kontrahieren
um die erforderliche Temperatur zur Zündung des nächsten
Kernprozesses zu erreichen. Hierbei ist aber die Gefahr sehr groß,
dass das Elektronengas entartet. Bei massearmen Sternen reicht die
Eigengravitation nicht aus, um den Kern soweit zusammen zu pressen
und damit zu erhitzen, dass die Heliumfusion zünden kann. Hat
der Stern sogar eine Masse von weniger als 8% der Sonnenmasse, ist
bereits vor Beginn des Wasserstoffbrennens die Kernregion entartet,
so dass diese Fusion erst gar nicht einsetzt. Diese Sterne sind
die Braunen Zwerge.
Besteht der Kern nach dem Heliumbrennen
aus einer Kohlenstoffkugel von etwa 1,4 Sonnenmassen, kann bei weiterer
Kontraktion ab etwa 500 Millionen K das Kohlenstoffbrennen einsetzen.
Dies wird aber mit einem ungeheuer energiereichen Flash ausgelöst,
welcher den gesamten Stern höchstwahrscheinlich in einer Supernovaexplosion völlig zerreißen wird.
Der
wohl bekannteste offene Sternhaufen, die Plejaden (M 45). Er liegt
in einer Entfernung von nur 400 Lichtjahren und hat eine Ausdehnung
von etwa 13 Lichtjahren. Bei den meisten der über 3000 Sterne
handelt es sich, insbesondere bei den hier sichtbaren, um massereiche,
heiße, junge Sterne, welche durch ihre Strahlung die umgebenden
Gas- und Staubwolken als schwach leuchtende blaue Reflexionsnebel
erscheinen lassen. Jedoch wurden neuerdings hier auch massearme
Braune Zwerge entdeckt.
Mit freundlicher Genehmigung von David Malin, AAO
Für jeden Stern gilt: je geringer seine Masse ist, umso geringer
ist auch seine Gravitationsenergie. Um die Temperatur im Kern soweit
zu erhöhen, dass weitere Fusionen ablaufen können, muss
der massearme Stern also viel stärker kontrahieren. Eine sanfte
Fusion des Kohlenstoffkerns ist jedoch möglich, wenn dieser
rund 0,9 Sonnenmassen aufweist und das Gas noch nicht entartet ist.
Dementsprechend muss der Stern eine Gesamtmasse über einer
Grenze von 2,3 Sonnenmassen aufweisen, wenn das Heliumbrennen vor
Einsetzen der Entartung beginnen soll, und mehr als etwa 8-10fache
Sonnenmasse zum Zünden des Kohlenstoffbrennens. Bei genügender
Masse ist es damit möglich, dass durch weitere Kontraktionen
und Kernprozesse zum Schluss ein reiner Eisenkern entsteht, der
dann aber nicht weiter fusionieren kann. Bei erneuter Kontraktion
wird er als Neutronenstern
oder Schwarzes Loch enden.
Sehr massereiche Sterne von 80 bis zur Obergrenze
von 120 Sonnenmassen sind von Anfang an instabil. Ihre Kernzone
ist zu keiner Zeit entartet, Fusionen laufen durch die ungeheuren
Dichten und hohen Temperaturen sehr schnell ab. Kleinste Störungen
bringen diese Sterne rasch aus dem Gleichgewicht und führen
zu Schwingungen des Sternkörpers, welche letztendlich zum Abstoßen
großer Materiemassen führen (siehe auch Hypernovae). Einen weiteren Masseverlust erleiden
diese Giganten durch die hohen freigesetzten Energiemengen sowie
einem extremen Sternenwind. Die meiste Masse verlieren sie allerdings
an ihrem Lebensende in einer Supernovaexplosion.
In massereichen Sternen können
Kernfusionen gleichzeitig in mehreren Zonen ablaufen. Hier ein Schnitt durch
einen Roten Überriesen, der in seinem Zentrum Kohlenstoff zu Neon und Magnesium
fusioniert. In einer Schale darüber wird Helium zu Kohlenstoff und Sauerstoff
umgewandelt, während in der äußeren Schale noch Wasserstoff
"brennt".
Abschließend
eine Zusammenfassung der verschiedenen Entwicklungsstadien von
Sternen:
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Neue, junge Sterne |
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Protosterne |
Entstehender Stern, bei dem noch keine Kernfusion stattfindet.
Gravitationsenergie der kondensierten Materie wird frei und in Form von
IR- Strahlung abgegeben. |
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T-Tauri- Sterne Herbig- Haro- Objekte |
Gerade entstehende, massearme Sterne mit noch nicht gezündeter oder
soeben einsetzender Kernreaktion. Durch ihre starken Magnetfelder wird ein
Teil der noch aus einer umgebenden Scheibe herabstürzenden Materie zu den
Polen hin beschleunigt und dort als Jet wieder an das interstellare Medium
abgegeben. Beim Aufprall der Jets auf interstellare Materie wird diese
enorm erhitzt. |
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Blaue Sterne |
Sehr junge Sterne von höchstens einigen Millionen Jahren. Sie erleben
die erste stürmische Phase der Kernfusionen und sind sehr heiß. Daher
strahlen sie mit einem hohen UV- Anteil und erscheinen deshalb in blauer
Farbe. |
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Riesensterne (giants) |
|
Blaue Riesen |
Massereiche Sterne von z.B. 20facher Sonnenmasse. Sie befinden sich
noch im Stadium des Wasserstoffbrennens und wandern die Hauptreihe im HR-
Diagramm hinauf. Diesen Zustand können sie mehrere 10 Millionen Jahre
behalten, bevor sie über das Stadium eines Roten Überriesen in einer
Supernova enden. Ihre Oberflächentemperatur beträgt jetzt 35 000 K.
|
|
Blaue Überriesen |
Sterne mit großem Vielfachem (typisch mehr als 40-mal) der Sonnemasse.
Sie fusionieren höchstens 10 Millionen Jahre Wasserstoff, innerhalb von 1
Million Jahre kommt dann unweigerlich das Ende als Supernova. |
|
Rote Riesen |
Sterne von etwa Sonnenmasse. Im Zentrum wird Helium fusioniert, in
einer Kugelschale darüber brennt weiter Wasserstoff. Durch die höhere
Energieabgabe dehnt sich der Stern um das 100fache aus, wobei die
Oberfläche auf 3000 K abkühlt, auch wenn durch die größere Oberfläche mehr
Strahlung als zuvor emittiert wird. Diese Sterne enden als Weiße Zwerge
und produzieren dabei Planetarische Nebel. |
|
Rote Überriesen |
Sterne mit mehr als etwa 10facher, aber höchstens 40facher Sonnenmasse,
die das Wasserstoffbrennen hinter sich haben und nun sehr schnell das
Helium fusionieren, dann Kohlenstoff bei 1 Milliarde K. Es folgen schnell
nun Fusionen immer schwerer werdender Elemente. Für die Heliumfusion
braucht der Stern noch 1 Million Jahre, dann hat er nur noch ein paar
Jahrtausende, bis er in einer Supernova vergeht und ein Neutronenstern
oder Schwarzes Loch zurück bleibt. |
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Zwergsterne (dwarfs) |
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Weiße Zwerge |
Sterne von Sonnengröße mit maximal 1,4facher Sonnenmasse. Nach Beenden
der Wasserstofffusion verbrennen sie ihr Helium, wobei sie sich zu Roten
Riesen entwickeln. Die Hülle wird abgestoßen und zurück bleibt ein stark
komprimierter und daher sehr heißer, aus Kohlenstoff und Sauerstoff
bestehender Kern. Dieser nur noch erdgroße Weiße Zwerg kühlt über
Milliarden Jahre ab und wird dann zum Schwarzen Zwerg. |
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Gelbe Zwerge |
Sonnenähnliche Sterne, die noch aktiv ihren Wasserstoff verbrennen.
Nach rund 10 Milliarden Jahren blähen sie sich zu Roten Riesen auf und
enden als Weiße Zwerge. |
|
Rote Zwerge |
Sterne mit weniger, jedoch mehr als 8% der Sonnenmasse. Sie fusionieren
sehr sparsam ihren Wasserstoff aufgrund ihrer geringen Masse und haben die
größte Lebenserwartung aller Sterne. Alle Sterne dieser Klasse, die seit
dem Urknall entstanden, befinden sich noch immer in der
Hauptreihenphase! |
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Braune Zwerge |
Sterne mit weniger als 8% der Sonnenmasse. Sie sind nicht in der Lage
zu Kernreaktionen, daher ist ihre Oberflächentemperatur mit 1000 bis max.
2500 K recht kühl. Sie strahlen überwiegend im IR- Bereich und erscheinen
dunkelrot. Sie stellen ein Bindeglied zwischen Gasplaneten und Sternen
dar. |
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Schwarze Zwerge |
Vollkommen erkaltete Weiße Zwerge, die keinerlei Strahlung mehr
emittieren. Bislang ist noch kein derartiges Objekt mit großer Sicherheit
nachgewiesen worden. Vermutlich ist das Universum noch zu jung, als dass
ein Weißer Zwerg bereits diesen Zustand erreicht haben könnte. |
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Endstadien massereicher Sterne |
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Pulsare (=Neutronensterne) |
Als Neutronensterne enden Sterne, deren Restkern nach dem Ende aller
möglichen Fusionen mehr als die 1,4fache Sonnemasse besaßen. An deren
Polen können durch das Magnetfeld Partikel und Strahlung als Jets in das
All schießen. Zeigt dieser Strahl auf die Erde, erfassen wir einen
Pulsar |
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Schwarze Löcher |
Sterne, deren Restkern mehr als die 3fache Sonnenmasse betrug. Dieser
Rest bricht unter der eigenen Gravitation völlig in sich zusammen bis zu
einem fast unendlich kleinen Punkt. Innerhalb eines bestimmten Radius um
diesen Punkt ist die Fluchtgeschwindigkeit größer als die
Lichtgeschwindigkeit, so dass keinerlei Information nach außen dringen
kann. |
© by Werner Kasper 2005
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